Vorwort

In der Falcon 20 E, einem Forschungsflugzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), ist für Messzwecke ein ungewöhnliches Fenster an der Unterseite des Rumpfes angebracht. Es bietet die Möglichkeit, durch den Fußboden senkrecht in die Tiefe zu schauen. Bei meinem ersten Forschungsflug blickte ich wie gebannt durch dieses Fenster und sah aus großer Höhe die noch schneebedeckten Alpen direkt unter meinen Füßen hinweggleiten.
An der Oberseite des Flugzeugrumpfes ist ebenfalls ein Beobachtungsfenster eingelassen, das einen Blick senkrecht nach oben ermöglicht. Wer dort hinausschaut, sieht in dieser Höhe nur einen extrem tiefblauen Himmel, wie wir ihn von der Erde aus nie beobachten können.
Diese beiden merkwürdigen Perspektiven vermittelten mir ein eigenartiges Gefühl: Obwohl zwischen allerlei Messapparaturen sitzend, schwebte ich seltsam losgelöst zwischen unendlichem Himmel und vertrauter Erde. Ich befand mich ein ganzes Stück von der Erde entfernt. Doch war ich damit auch schon dem Himmel etwas nähergekommen? Wo fängt der Himmel eigentlich an? Reicht es uns, den Himmel als den sichtbaren Raum über der Erde zu definieren?
Seit Urzeiten ist der Himmel auch ein Sehnsuchtsort, in dem vieles für uns unsichtbar und unerreichbar ist. Die Menschen vermuteten daher, dass es „dort oben“ ganz anders zuging als „hier unten“. Überprüfen konnten sie es lange Zeit nicht. Spekulationen waren damit Tür und Tor geöffnet. Erst als Wissenschaftler Zusammenhänge entdeckten, die offensichtlich beide (Teil-)Welten verbanden, wurde manches klarer. Schließlich machten sich die Menschen sogar auf, mit Fluggeräten und Raumschiffen die Welt über uns direkt zu erkunden. Sie konnten damit – Göttern gleich – von oben herab auf die Erde zu schauen. Ungeachtet dessen blieb dem unendlich tief erscheinenden Himmel bis heute der Nimbus des Geheimnisvollen und Unfassbaren.
Früher fürchtete man sich vor unheilvollen Himmelszeichen, die Schwefel- und Feuerregen oder eine neue Sintflut ankündigten. Heute sehen wir mit Bangen, wie sich unsere Atmosphäre immer mehr aufheizt. Seit Urzeiten verknüpfte man über die Astrologie menschliche Schicksale mit den Gestirnen.  In unseren Tagen suchen wir mit physikalischen Methoden in den Weiten des Weltalls Antworten auf die Fragen, wie alles entstanden ist und wohin wir uns entwickeln werden. Die Grundmuster unseres Verhaltens sind dabei gleichgeblieben: Wir schauen zum Himmel, um zu erfahren, woher wir kamen und wohin wir gehen werden. Dabei war zwar immer Angst mit im Spiel – aber auch Hoffnung. Daran hat sich seit Jahrtausenden nichts geändert.
Im vorliegenden Buch möchte ich Sie auf eine Entdeckungsreise mitnehmen. Vom Erdboden startend bewegen wir uns dabei gemeinsam gedanklich immer weiter in die Höhe – und somit in die Tiefe des Raumes. Doch wir müssen zwischendurch immer auch wieder zur Erde zurückkehren, wo das Beobachtete in Denkstuben, Observatorien und Laboren genauer untersucht wird. Ich möchte Ihnen zeigen, wie die Menschen zu ihren Erkenntnissen über den Himmel gekommen sind. Die Bandbreite der Methoden reicht dabei vom einfachen Beobachten und Staunen bis zu künstlerischem und philosophischem Reflektieren, von halsbrecherischer Luft- und Raumfahrt bis zur Entwicklung moderner Messverfahren und Theorien der Atmosphären- und Astrophysik. Wen das alles interessiert, wer also in den Himmel mitfliegen will, der sollte dieses Buch lesen.